Heimatverein Affalterthal e.V.  

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27. August 1796, Kampf gegen die Franzosen

(Augenzeugenbericht von Pfarrer Wolfgang Baierdörfer aus Affalterthal)

Am frühen Morgen ließen sich auf den Anhöhen vom Auerberg her und in der Flur umstreunende französische Reiter und Infanteristen sehen, welche unser Dorf Affalterthal beobachteten und Lust zeigten einen Marodeur- Einfall zu thun. Die ausgestellten Dorfwachen zeigten es an, es wurde Sturm geläutet und die Männer eilten mit Heu- und Mistgabeln, mit Spießen und Prügeln etc. zum oberen Dorf hinaus und stellten sich da rüstig zur Gegenwehr. 

Die Franzosen zogen sich zurück ohne den Versuch eines Überfalls zu wagen. Ihre Marodeure fürchteten überhaupt das Sturmläuten und die Zusammen- rottierung der Bauern und nur gegen Marodeure, nicht gegen ein detachiertes Korps war diese unsre Anstalt von den Inwohnern getroffen, sonst wäre es Unsinn und höchst schädlich gewesen. Gegen Mittag zeigten sich wieder mehrere Franzosen auf einer anderen Gegend unserer Flur, aus dem Hölzlein von dem Gewendt her, wo der Hirt mit der Kuhherde sich aufhielt. Das Sturmläuten ging, zum zweiten Male an. Die Inwohner standen gerüstet und unversehens ritten unten vom Dorf herauf 3 französische Husaren, die gute Worte ausgaben und nur etwas Futterhaber (für die Pferde) begehrten. Allein die bewaffnete Dorfgemeinde traute ihnen nicht, jagte sie aus dem Dorf und hatte Recht, denn eben war jener feindliche Trupp von Holz her mit der Absicht umgegangen, unserer Viehherde sich zu bemächtigen.

Dieses Trupps einer schoss auf den Hirten und die anderen auf die hinzueilenden Bauern, welche zwar etwas stutzten, übrigens aber mit Herzhaftigkeit der Viehherde zueilten. Die Franzosen zogen sich ohne weiteres zu­rück und die Viehherde wurde glücklich eingetrieben. Gotttob kein Mann wurde blessiert, während letzterem Auftritt wurde zum dritten Male Sturm geläutet. Indessen schwebten wir zwischen Furcht und Hoffnung wegen eines stärkeren Überfalles und wir waren in großer Angst. Nun kam der leidige Both von Bieberbach, der Distler's Ermordung (siehe unten) bei uns meldete. Dies vermehrte noch mehr unsre Furcht und Angst. Da kam gottlob ein freudiger Bothe von Hammerbühl herauf mit der frohen Nachricht, dass etliche 30 Kaiserliche Husaren im Anmarsch wären; nun wurden wir wieder getröstet. Sie kamen schnell angerückt, hielten vor dem Pfarrhaus und ich ging mit Dank und Freude dem würdigen, tapferen Offizier entgegen, bat ihn einige Augenblicke bei mir abzusteigen, welches, er auch that.

Ich erzählte ihm, was ich wusste, zeigte ihm auf der Spezialkarte von Franken die Lage des Feindes und er, ohne einen Bissen Brod anzunehmen, stieg eilends zu Pferd, sprach auf ungarisch seine Mannschaft an und unsre Jnnbewohner mit den Worten; „Bauern mit". Die es auch thaten und Dienste leisteten. Und so ging es denn rüstig auf Bieberbach. Dort zechte noch ein französischer Trupp vor dem Wirtshaus, welcher nun überfallen ward und wo es ein kleines Gemezel gab. 2 tote Franzosen wurden dort begraben, 5 schwer Verwundete weggefahren und mehre sonst weggebracht. Die Kaiserlichen Husaren verfolgten die fliehenden Franzosen über Bieberbach hinaus bis an den Brunnen, wo sie aber der gegen sie aufbrechenden französischen Reiterei wichen und eilig sich zurückziehen mussten, denn sie waren nur zum Verteidigen, nicht zum Angriff ausgeschickt, somit zu schwach. Indessen auf dem Schaf- Anger stellten sie sich in Ordnung gegen die nachfolgenden Franzosen, gleichsam als zum Angriff auffordernd, ein gleiches thaten sie zum zweiten Male vor dem Gemeindeholz und die Franzosen trauten sich nicht weiter zu verfolgen. Unsere Bauern kamen Gottlob alle unversehrt zurück.

Die braven Husaren kamen wieder etwas zerstreut in hiesiges Dorf vor das Pfarrhaus zurück. Wir geriethen in neue Furcht um der Verfolgung der Franzosen willen. Aber der brave Offizier, der nun wieder bei mir einige Augenblicke abstieg und etwas Weniges speiste, benahm uns alle Furcht, dass dis Franzosen sich gewiss nicht durch den Wald wagen werden, dass die kaiserlichen Pikkets uns immer näher kämen und die ganze kaiserliche Armee rings umher den Franzosen auf dem Fuß nachfolgte. Es war richtig wahr und wir kamen immer mehr aus aller Furcht. Die kaiserlichen Husaren brachten viele Beute und 1 Pferd, aber auch einen blessierten Husaren zurück, der von dem würdigen Offizier selbst im Pfarrhaus verbunden wurde. Die Franzosen haben Gottlob dem hiesigen Dorf keinen Heller Plünderung oder Schaden gemacht, da alle Dörfer um uns her so vieles gelitten.